Versuch einer Erklärung von Unterschieden der Feldsteinkirchen im heutigen Mecklen-burg-Vorpommern und denen in Brandenburg


Der weit überwiegende Teil des heutigen Landes Brandenburg wurde in sehr kurzer Zeit christianisiert. Der Bedarf an Kirchenbauten stieg damit stark an. So bildeten sich dort bereits am Ende des 12. Jh. „Bauhütten“ bzw. „Bautrupps“ heraus, die sich auf den Bau von Feldstein-Kirchen spezialisierten. Sie sammelten viel Erfahrung und spezielle Kenntnisse und Fertigkeiten an, was u. A. dazu führte, dass in der Zeit bis 1250/60 die zum Bau verwendeten Feldsteine i. d. R. zu relativ exakten Quadern geformt und in parallel verlaufenden Lagen gesetzt wurden. Vielleicht kamen auch manche dieser Handwerker aus dem heutigen Schleswig-Holstein oder Niedersachsen, wo schon im 11./12. Jh. Feldstein-Kirchen aus besonders sauber bearbeiteten und gesetzten Feldstein-Quadern errichtet worden waren. Möglicherweise lernten diese „Auswärtigen“ die Bautrupps in Brandenburg an.


Diese Trupps zogen von Ort zu Ort und bauten möglicherweise auch an mehreren benachbarten Kirchen wechsel- oder gleichzeitig.
Aufgenommen wurden nur solche Handwerker, die ihr Metier gut beherrschten, denn zur Ausbildung war wegen der Notwendigkeit eines schnellen Baufortschritts keine Zeit. Deshalb prüften die Werkmeister/Truppführer das Können der Handwerker, die sich um Aufnahme in die Bauhütte bewarben, manchmal auch mittels eines Auftrags zur Herstellung eines Ornamentsteines.


In Mecklenburg und Pommern verlief die Christianisierung weniger schlagartig, dort war es eher ein kontinuierlich fortschreitender Prozess über einen etwas längeren Zeitraum. Dadurch entstand – im Gegensatz zu Brandenburg - kein schlagartig auftretender Bedarf an Spezialisten für den Feldstein-Bau.


Hinzu kommt, dass in Mecklenburg-Vorpommern in dieser Zeit der Backstein schon häufiger zum Einsatz kam. Ein Grund dafür wird ein gewisser Wohlstand, der sich in den Städten, aber auch in vielen Dörfern des küstennahen Bereiches wegen des Seehandels und der Heringsfischerei, herausgebildet hatte, gewesen sein. Die dortigen Kirchenpatrone setzten ihre Ehre darein, ihre Kirche aus dem Kreis der anderen Kirchenbauten hervorzuheben. Im 13. und 14. Jh. kam deshalb in den „reichen“ Orten in zunehmendem Maße der Backstein als – auch stilbildendes – Baumaterial zum Einsatz (Backsteingotik). Er war teurer als der Feldstein, aber man konnte mit ihm besser und auch eindrucksvoller bauen. Die Anzahl reiner Feldsteinbauten nimmt daher von Norden nach Süden deutlich zu; je weiter von der Ostsee entfernt, desto „sparsamer“ musste die Kirche gebaut werden: In aller Regel aus Feldsteinen wie eben in Brandenburg.
In der Grenzregion beider Gebiete sind dann die Kirchen im Wesentlichen nur aus Feldsteinen errichtet worden und weisen manchmal unübersehbare Ähnlichkeiten auf.


Der Mangel an Feldstein-Fachleuten sowie das Reichtumsgefälle von Nord nach Süd führte aber auch dazu, dass manche Feldsteinkirchen aus der ersten Hälfte des 13. Jh. nicht so sauber in Steinbearbeitung und -verlegung errichtet wurden wie ähnlich alte Brandenburger Dorfkirchen. Das erklärt vielleicht auch die Tatsache, dass in Mecklenburg-Vorpommern die Häufigkeit von Ornamentsteinen im Mauerwerk von Feldsteinkirchen wesentlich geringer ausfällt als in Brandenburg. Es zeigt aber auch, dass es doch eine gewisse Wanderbewegung von qualifizierteren Steinmetzen gegeben hat, die in der Lage waren, Ornamentsteine herzustellen.


Insgesamt hat der Autor 336 mittelalterliche Kirchen aus Mecklenburg-Vorpommern in diese Sammlung aufgenommen. Diese Kirchen sind entweder völlig oder zu mehr oder minder großen Teilen in Feldstein errichtet worden. Wie schon in der Sammlung Brandenburg (780) wurden Kirchen, die zwar Feldsteine in ihren Außenmauern haben, die jedoch für den Bau nicht prägend sind, nicht aufgenommen.
Ebenso Kirchen, die nach 1500 errichtet wurden oder – bedauerlicherweise – verputzt oder getüncht worden sind.
Die Tabelle „Nicht aufgenommen“ listet diese 66 Bauten auf.


Die diesem Text folgenden Tabellen beinhalten das „Ortsverzeichnis“ mit den entsprechenden Verweisen sowie die Tabelle „Nicht aufgenommen“.


Ortsverzeichnis




Ahrenshagen


VR

18320

33U

344

6011

 

Alt Käbelich


MSE

17348

33U

400

5928

 

Alt Karin


LRO

18236

32U

681

5987

 

Alt Plestlin


VG

17129

33U

384

5979

 

Alt Sammit


LRO

18292

33U

317

5947

 

Alt Schönau_


MSE

17192

33U

350

5939

 

Altenkirchen_


VR

18556

33U

393

6055

 

Alt Schloen_


MSE

17192

33U

350

5939

 

Ankershagen


MSE

17209

33U

365

5927

 

Bäbelin


NWM

23992

33U

327

5946

 

Badendiek


LRO

18276

33U

312

5958

 

Badresch


MSE

17349

33U

408

5933

 

Ballin


MSE

17349

33U

395

5924

 

Ballwitz


MSE

17094

33U

384

5924

 

Bargensdorf


MSE

17094

33U

386

5930

 

Bargischow


VG

17398

33U

418

5965

 

Barkow


LUP

19395

33U

312

5927

 

Basedow


MSE

17139

33U

347

5952

 

Baumgarten


LRO

18246

33U

689

5966

 

Beggerow


MSE

17111

33U

372

5966

 

Behrenhoff


VG

17498

33U

394

5985

 

Behren-Lübchin


LRO

17179

33U

347

5989

 

Bellin


LRO

18292

33U

314

5954

 

Below


LUP

19399

33U

697

5944

 

Benthen


LUP

19386

33U

301

5933

 

Benz


VG

17429

33U

439

5977

 

Bernitt


LRO

18249

33U

690

5976

 

Beseritz


MSE

17039

33U

398

5951

 

Biendorf


LRO

18230

33U

676

5995

 

Bismark


VG

17322

33U

451

5923

 

Blankenhagen


LRO

18182

33U

326

6005

 

Blankensee


MSE

17237

33U

384

5918

 

Blumenhagen


VG

17337

33U

418

5922

 

Bobbin


VR

18551

33U

404

6046

 

Boddin


LRO

17179

33U

345

5979

 

Boitin


LRO

18249

32U

696

5961

 

Bredenfelde


MSE

17348

33U

364

5941

 

Brietzig


VG

17309

33U

427

5926

 

Brohm


MSE

17099

33U

407

5940

 

Bröllin


VG

17309

33U

436

5924

 

Broock


LUP

19386

33U

308

5927

 

Brunn


MSE

17039

33U

393

5948

 

Bülow


LRO

17166

33U

341

5951

Schachbrettstein!

Bülow


LUP

19089

33U

683

5941

 

Bütow


MSE

17209

33U

332

5913

 

Cammin


LRO

18195

33U

327

5985

 

Cammin


MSE

17094

33U

387

5922

 

Cantnitz


MSE

17258

33U

392

5915

 

Chemnitz


MSE

17039

33U

378

5938

 

Cölpin


MSE

17094

33U

396

5931

 

Conow/Ruine


MSE

17258

33U

399

5908

 

Dabel


LUP

19406

33U

691

5949

 

Dahlen


MSE

17039

33U

396

5949

 

Dambeck


LUP

19357

33U

684

5903

 

Dambeck/Ruine


MSE

17209

33U

333

5915

 

Damerow/Ruine


VG

17309

33U

432

5922

 

Damgarten


VR

18311

33U

335

6014

 

Damm


LUP

19374

33U

683

5924

 

Dänschenburg


VR

18337

33U

330

6001

 

Dargitz


VG

17309

33U

429

5932

 

Dargun


MSE

17159

33U

359

5974

 

Dassow


NWM

23942

32U

629

5975

 

Dersekow


VG

17498

33U

388

5990

 

Deven


MSE

17192

33U

358

5937

 

Domherrenhagen/Ruine


MSE

17166

33U

345

5964

 

Drechow


VR

18465

33U

356

6001

 

Drefahl


LUP

19372

33U

691

5908

 

Dreilützow


LUP

19243

33U

640

5931

 

Drewelow


VG

17392

33U

406

5958

 

Duckow


MSE

17139

33U

354

5953

Lochstein i. d. N-Wand!

Dütschow


LUP

19372

33U

678

5921

 

Eichhorst


MSE

17099

33U

400

5939

 

Eixen


VR

18334

33U

351

6004

 

Elmenhorst


VR

18510

33U

373

6009

 

Fahrenwalde


VG

17309

33U

438

5921

 

Frauenmark


LUP

19374

33U

645

5955

 

Friedland/St.Marien


MSE

17098

33U

403

5945

 

Friedland/St.Nikolai


MSE

17098

33U

403

5945

Kreuzsteine?

Gägelow


LUP

19406

33U

656

5975

 

Galenbeck


MSE

17337

33U

414

5942

 

Ganzkow


MSE

17039

33U

390

5947

 

Garwitz


LUP

19372

33U

679

5926

 

Garz


VG

17419

33U

445

5970

 

Gehren


VG

17335

33U

416

5938

 

Genzkow


MSE

17099

33U

400

5943

 

Gessin


MSE

17139

33U

349

5952

 

Gevezin


MSE

17039

33U

375

5936

 

Glasow


VG

17322

33U

451

5914

 

Glewitz


VR

18513

33U

364

5987

 

Goldenstädt


LUP

19079

33U

666

5927

 

Golm


MSE

17349

33U

405

5936

 

Gorlosen


LUP

19294

33U

664

5895

 

Görmin


VG

17121

33U

386

5984

 

Grabow


LUP

19300

33U

671

5907

 

Grambow


VG

19071

33U

557

5918

 

Grebbin


LUP

19374

33U

690

5933

 

Groß Bünzow


VG

17390

33U

412

5977

 

Groß Dratow


MSE

17192

33U

356

5931

Lochstein!

Groß Gievitz


MSE

17192

33U

353

5939

 

Groß Kiesow


VG

17495

33U

398

5986

 

Groß Luckow


VG

17337

33U

422

5932

 

Groß Nemerow


MSE

17094

33U

382

5926

 

Groß Niendorf


LUP

19374

32U

688

5942

 

Groß Poserin


LUP

19399

33U

314

5935

 

Groß Upahl


LRO

18276

33U

305

5957

 

Groß Wokern


LRO

17166

33U

335

5958

 

Grünow


MSE

17237

33U

387

5911

 

Grünz


VG

17328

33U

442

5904

 

Grüssow


MSE

17213

33U

329

5925

 

Gützkow


VG

17506

33U

395

5977

 

Hanshagen


VG

17509

33U

404

5989

 

Hanstorf


LRO

18239

32U

693

5992

 

Heiligenhagen


LRO

18239

32U

692

5988

 

Helpt


MSE

17349

33U

407

5929

 

Herzberg


LUP

19374

32U

694

5935

 

Hinrichshagen


MSE

17348

33U

390

5991

 

Hohen Pritz


LUP

19406

32U

691

5946

„W“

Hohen Sprenz


LRO

18299

33U

315

5977

 

Hohenholz


VG

17329

33U

454

5911

 

Hohenmocker


MSE

17111

33U

380

5965

 

Ihlenfeld


MSE

17039

33U

390

5939

 

Japenzin


VG

17392

33U

398

5959

 

Jatzke


MSE

17099

33U

403

5940

 

Jördenstorf


LRO

17168

33U

343

5972